
Juwelier · Porträt
Ein Haus für Werte am Zürichsee: Timeless & Sons in Feldbach
Am rechten Ufer des oberen Zürichsees, zwischen Stäfa und Rapperswil, liegt in Feldbach ein Haus, das sich ausdrücklich nicht als Goldankauf versteht. Timeless & Sons Handels- und Auktionshaus beschreibt sich als Handels-, Auktions- und Kompetenzzentrum für hochwertige Sachwerte: Uhren, Schmuck, Edelmetalle, Münzen, Silber und Sammlerobjekte. Den eigenen Anspruch fasst das Haus in drei Wörter: hochwertig, ruhig, nachvollziehbar.
Kein Ankaufsbüro, sondern ein Haus
Wer Werte abgibt, gibt selten nur Material ab. Ein Ring aus einem Nachlass, eine über Jahrzehnte gewachsene Münzsammlung oder eine Armbanduhr mit vollständigen Papieren verlangen mehr als eine Waage im Hinterzimmer. An diesem Gedanken ist das Haus an der Feldbachstrasse ausgerichtet. Beratung, Prüfung, Bewertung, Verwahrung und Vermarktung liegen unter einem Dach, sodass ein Objekt zwischen Annahme und Abrechnung das Gebäude nicht verlassen muss.
Das Spektrum ist breit gefasst. Neben Uhren und Schmuck gehören Barren, Bruchgold und Altgold, Anlage- und Sammlermünzen, Silberbesteck und Zinn, Edelsteine sowie Kunst und Antiquitäten dazu, von Gemälden und Bronzen über Porzellan und Standuhren bis zu ganzen Sammlungen. Diese Breite erklärt, warum die Fläche nach dem Weg gegliedert ist, den ein Objekt im Haus nimmt.
335 Quadratmeter, vier Bereiche
Die Gewerbefläche misst 335 m² und ist in vier Bereiche geteilt. Vorne wird empfangen und gezeigt, dahinter geprüft und verwahrt, daneben sortiert und gelagert. Ein vierter Teil ist für Versteigerungen reserviert.
Verkauf und Empfang
Der Verkaufsraum ist als Galerie angelegt und nicht als Laden. Uhren, Schmuck und Münzen liegen in einzeln ausgeleuchteten Vitrinen, dazwischen gibt es eine Beratungszone, in der man sitzt und in Ruhe spricht. Für die Annahme steht ein zurückgezogener Bereich bereit, damit Objekte, Unterlagen und Beträge nicht offen auf dem Tresen liegen. Im Raum läuft eine digitale Anzeige mit den aktuellen Edelmetallkursen mit.
Werkstatt und Prüfung
Hinter der Vitrine entsteht die Zahl, über die anschließend gesprochen wird. Gewogen wird auf Präzisionswaagen. Den Feingehalt liest das Haus nicht nur an der Punze ab, sondern bestätigt ihn mit Prüfstein, Prüfsäuren und Messgeräten. Lupe, Messschieber, Steinmaß und Gehäuseöffner gehören zur Ausstattung, ebenso ein Dokumentationsbereich, in dem jede Position erfasst und beschrieben wird. Zwischen Annahme und Entscheidung liegen die Objekte in einer Tresorlösung. Eine Reparaturannahme ist die Werkstatt nicht: Sie dient der Prüfung, der Wägung und der Dokumentation.
Lager und Sortierung
Ein Nachlass kommt selten in einer Schatulle, häufiger in Kisten und Kartons. Für solche Bestände gibt es Schwerlastregale, Sammelboxen und feste Sortierplätze. Sortiert wird nach Materialgruppen und Verwertungsweg: Edelmetall zum Wiegen, Sammlerstücke zur Einzelbewertung, Silber und Zinn getrennt vom versilberten Tafelgerät. Erst danach steht fest, was angekauft, was vermittelt und was für eine spätere Versteigerung vorgemerkt wird.
Auktionsfläche
Der vierte Bereich ist für Präsenzauktionen, Sammlertreffen und die Präsentation von Kommissionsware vorgesehen. Der Raum ist eingeplant, der Auktionsbetrieb selbst befindet sich jedoch noch in Vorbereitung, Termine für Versteigerungen gibt es bislang nicht. Objekte, die sich für eine spätere Auktion eignen, nimmt das Haus nach eigenen Angaben schon heute auf, beschreibt sie und verwahrt sie bis dahin.
Hochwertig, ruhig, nachvollziehbar
Die drei Begriffe, mit denen das Haus seinen Anspruch beschreibt, lassen sich am Ablauf festmachen. Hochwertig meint ein Umfeld aus Vitrinen, Licht und Materialien, in dem ein Erbstück nicht wie Altmetall behandelt wird. Ruhig meint Termine nach Vereinbarung, keinen Durchgangsverkehr und kein Gespräch unter Zeitdruck. Nachvollziehbar ist der Teil, der sich am leichtesten überprüfen lässt: Gewogen wird im Beisein der Kundin oder des Kunden, die Anzeige der Waage bleibt sichtbar, und der Edelmetallkurs, mit dem gerechnet wird, steht auf der Kursanzeige im Raum.
Das Ergebnis ist eine schriftliche Aufstellung, Position für Position, die Materialwert und Sammlerwert getrennt ausweist. Der Materialwert ist reine Rechnung, Feingewicht mal Tageskurs, und bildet die Untergrenze. Der Sammlerwert entsteht aus Marke und Referenz, Seltenheit, Erhaltung und Vollständigkeit. Die Erstberatung im Haus ist unverbindlich. Zudem grenzt das Haus seine Bewertung klar ab: Sie ist eine Handelseinschätzung und ersetzt weder ein Versicherungsgutachten noch ein gemmologisches Laborzertifikat.
Wie Uhren bewertet werden
Bei Uhren beginnt die Bewertung mit der Identität des Stücks. Die Referenznummer benennt Modell, Gehäuseform und Ausstattung, das Kaliber das Werk im Inneren. Erst wenn beides feststeht, lässt sich der Zustand einordnen: Lauf und Gangverhalten, Kratzer und Dellen, vor allem aber die Schärfe der Gehäusekanten. Ein mehrfach überpoliertes Gehäuse steht schlechter da als eines mit scharfen Kanten. Warum das Werk so viel über eine Uhr verrät, beschreibt der Beitrag über die Bedeutung von Kalibern bei Uhren.
Großes Gewicht hat die Originalität. Ein neu gedrucktes Zifferblatt, ersetzte Zeiger oder eine getauschte Lünette verändern den Charakter einer Uhr und damit den Kreis möglicher Käufer. Papiere, Box und Servicebelege wirken sich ebenfalls aus, entwerten ein gutes Stück aber nicht, wenn sie fehlen. Angenommen werden auch defekte Uhren, Taschenuhren und Bestände aus Nachlässen. Wer eine Uhr bewerten lassen möchte, sollte sie vorher weder polieren noch selbst öffnen, und eine lange stillstehende Uhr sollte auch nicht aufgezogen werden.
Schmuck und Steine
Schmuck trägt zwei mögliche Werte in sich: den seines Edelmetalls und den seiner Gestaltung. Das Haus rechnet nach eigener Darstellung beide Wege durch und legt den höheren zugrunde. Beim Material beginnt die Prüfung an der Punze, innen an der Ringschiene oder am Verschluss einer Kette. Weil eine Punze ein Hinweis und kein Beweis ist, wird mit Prüfstein und Prüfsäure nachgeprüft; was die Zahlen bedeuten, erklärt der Beitrag zu den Edelmetallstempeln 750 und 585. Beim Objekt zählen Fassung und Machart, Signaturen und Meisterzeichen, die Formensprache einer Epoche wie Jugendstil, Art déco oder Mid-Century sowie der Erhaltungszustand. Angenommen werden Ringe, Colliers, Ketten, Armbänder, Ohrschmuck, Broschen und Erbschmuck, auch in beschädigtem Zustand.
Edelsteine und Diamanten werden lose wie gefasst beurteilt, nach Karat, Schliff, Farbe und Reinheit. Bei Farbsteinen kommen Herkunft, Farbintensität und Behandlung hinzu. Gefasste Steine bleiben dabei in der Fassung, denn eine intakte Arbeit ist selbst ein Wertfaktor. Wo die eigene Einschätzung endet, sagt das Haus offen: Ob ein Farbstein behandelt wurde oder ein Diamant synthetischen Ursprungs ist, klärt abschließend nur ein gemmologisches Labor.
Vier Säulen: Ankauf, Verkauf, Kommission, Auktion
Getragen wird das Haus von vier Geschäftsfeldern, die ineinandergreifen, weil ein Objekt selten nur einen Weg zulässt. Der Ankauf erfolgt zum Tageswert und umfasst Edelmetalle vom Barren bis zum Zahngold, Uhren, Schmuck, Münzen und Nachlassobjekte. Im Verkauf steht ein wechselnder Bestand geprüfter Uhren, Schmuckstücke, Münzen, Silberarbeiten und ausgewählter Antiquitäten. Bei der Vermittlung in Kommission verkauft das Haus im Auftrag der Eigentümer, die Konditionen werden individuell und vorab schriftlich festgehalten. Die vierte Säule, die Auktion, ist noch im Aufbau.
Welcher Weg passt, entscheidet sich am Objekt. Bruchgold wird nach Feingehalt abgerechnet, eine gefragte Armbanduhr mit vollständigen Papieren ist in Kommission oft besser aufgehoben, ein Nachlass verlangt meist beides. Weil Eingeschmolzenes nicht zurückkommt, prüft das Haus nach eigenen Angaben zuerst, ob ein Stück als Objekt mehr wert ist als sein Metall. Die Entscheidung über den Weg bleibt bei den Eigentümern.
Nachlass und Hausbesuch am oberen Zürichsee
Ein eigener Schwerpunkt liegt auf Nachlässen und Sammlungsauflösungen. Gesichtet wird im Haus in Feldbach oder bei den Eigentümern zuhause, jede Position einzeln und schriftlich aufgestellt, diskret und ohne Zeit- oder Verkaufsdruck. Als Einzugsgebiet für Hausbesuche nennt das Haus Feldbach, Hombrechtikon, Stäfa, Männedorf, Meilen, Rapperswil und Umgebung. Bei großen Sammlungen und vollständigen Nachlässen fährt es nach Absprache auch weiter.
Zum Termin bringt das Haus Waage, Lupe und Prüfmittel mit. Vorsortieren müssen die Eigentümer nichts, wegwerfen oder polieren sollten sie vorher allerdings auch nichts. Eine Vertrauensperson am Tisch ist ausdrücklich erwünscht. Der Grundsatz für jeden Hausbesuch lautet: Nichts verlässt das Haus ohne Zustimmung und ohne Aufstellung. Wer lieber selbst nach Feldbach kommt, findet Parkplätze direkt vor dem Haus, was bei schweren Kisten mit Silberbesteck oder Kartons aus einem Nachlass den Weg erleichtert.
Einordnung
Timeless & Sons setzt auf Verfahren statt auf Versprechen. Die Fläche ist nach dem Weg eines Objekts geordnet, die Prüfung findet im eigenen Haus statt, und jede Bewertung endet in einer Aufstellung, die man mitnehmen kann, auch wenn man nichts verkauft. Für Besitzerinnen und Besitzer von Uhren, Schmuck oder einem ganzen Nachlass am Zürichsee entsteht damit eine Anlaufstelle, die Ankauf, Verkauf und Vermittlung unter einem Dach verbindet. Ob die geplanten Auktionen das Profil des Hauses erweitern, wird sich zeigen, sobald der Betrieb aufgenommen ist. Die tagesaktuellen Kurse für Gold, Silber, Platin und Palladium in Franken veröffentlicht das Haus auf seiner Kursseite, samt einem Rechner, der den reinen Feinmetallwert zeigt und keine Ankaufsquote.